Tutorial für Newsletter März 2020

 Das Beiboot (Dinghi) (engl.: Tender) 

Im letzten Tutorial des Newsletters von sailteam.ch haben wir uns mit dem Ankermanöver beschäftigt.

Auf jeder Charteryacht gibt es ein Beiboot, ein sogenanntes Dinghi. Das Dinghi ist meist ein aufblasbares Gummiboot (selten ein Holzboot)

Die erste Frage betreffend Dinghi ist bei der Schiffsübernahme jedesmal die selbe:

  1. Wie, resp. wo, will ich das Dinghi auf meinem Schiff transportieren, resp. festmachen :

Das Beiboot wird niemals an einem Tau hinter dem Schiff hergeschleppt (Das ist ganz schlechte Seemannschaft!). Das Beiboot wird in der Regel auf dem Vordeck oder auf dem Mitteldeck (mit dem Boden nach oben) gut festgezurrt. Manchmal ist es schwierig, gute Punkte zu finden, an welchen das Beiboot tatsächlich gut angebunden werden kann (geeignet sind D-Ringe auf Deck, D-Ringe am Mastfuss, Handläufe etc.)

Was sehr ungünstig ist: Relingstützen: diese sind unsicher und es entsteht auf dem Seitendeck neben dem Dingi eine gefährliche Stolperfalle.

Das Dinghi immer sturmfest anbinden: Nichts Unangenehmeres als wenn bei aufkommendem Wind und Wellengang das Dinghi beginnt auf dem Boot hin- und her zu rutschen. Bei aufkommenden Schwerwetter haben wir anderes zu tun, als uns auch noch um das Dinghi zu kümmern.

Bild: sailteam.ch

Gut und fest angebunden, dort wo es am wenigsten stört!

Bild: sailteam.ch

auch bei ruhigem Wetter wird das Dinghi gut verzurrt festgebunden. Hier liegt das Dinghi auf dem Mitteldeck und kann somit sicher an den Handläufen festgebunden werden.

 

Das „Davit“

Auf vielen Booten gibt es ein „Davit“:

Das ist eine Art Kran hinten am Heck, an welchem das Dinghi aufgehängt wird. Das ist natürlich sehr praktisch, und das Dinghi nimmt auf Deck keinen Platz ein – und es ist natürlich sehr einfach, das Dinghi zu wassern. Bei Starkwind und höherem Wellengang kann es aber etwas stören

 

Bild:sailteam.ch                                                                                                  .

Das Dinghi am Davit kann auch bei Hafenmanövern recht störend sein.

2. Die Vorbereitung für die Dinghi-Überfahrt

Nun, da wir das Ankermanöver erfolgreich abgeschlossen haben, unseren Ankertrunk genossen haben und alles auf dem Schiff aufgeräumt ist, möchten wir natürlich mit unserem Beiboot ans Land übersetzen.

Dabei gilt es mehrere Dinge zu beachten:
Das Dinghi haben wir ja bei der Schiffsübernahme schon unserer Checkliste entsprechend kontrolliert.

Wir haben uns auch bereits beim Entschluss zu ankern darüber Gedanken machen, ob und wie wir von unserem Schiff ans Land kommen werden.

Falls wir planen, mit dem Dinghi überzusetzen, kontrollieren wir vor Gebrauch unser Dinghi nochmals

     2.1. Ist das Dinghi gut aufgepumt

Viele Dinghis verlieren während der Fahrt etwas Luft. Also müssen wir dieses vor dem Gebrauch nochmals richtig aufpumpen. Auf dem Schiff muss sich deshalb eine Dinghi-Pumpe befinden: das haben wir bei der Schiffsübernahme ebenfalls schon kontrolliert!

     2.2. Wie heben wir das Dinghi vom Schiff auf das Wasser?  

Leichte Dinghi können von zwei Personen gut von Hand gehoben und vorsichtig über das Seitenbord ins Wasser gelassen werden. Falls das Dinghi zu schwer ist, behelfen wir uns am besten mit dem Spifall (oder sonst einem Fall): wir klinken das Fall an einem festen D-Ring vom Dinghi ein – oder befestigen es mit einem Palstek – und heben es mit Hilfe einer Winsch in die Höhe bis über die Reling und lassen es dann langsam auf das Wasser gleiten.

     2. 3. Funktioniert unser Aussenbordmotor?

Den Aussenbordmotor haben wir ebenfalls schon bei der Schiffsübernahme kontrolliert. Ist genügend Benzin im Aussenborder? Springt er leicht an?

Bei der Schiffsübernahme haben wir auch geprüft, ob sich ein Benzin-Kanister an Bord befindet, ob er voll ist und wo sich dieser befindet. Wichtig: dieser muss sich immer an einem gut durchlüfteten Ort befinden. Meist ist er in einer Backskiste: Niemals im Inneren des Schiffes lagern!

a) ist die Halterung des Aussenborders zuverlässig?

b) Übergabe des Aussenborders vom Boot aufs Dinghi: Der Motor ist immer mit einer Leine gesichert: denn der Aussenbordmotor ist schwer und kann uns bei der Übergabe aufs Dinghi ins Wasser fallen! Deshalb: immer mit Leine sichern, bis er am Dinghi fest angeschraubt ist! (und auch im Dinghi mit einer Leine zusätzlich sichern! )

c) Wo sind die Paddel? Bei jeder Dinghifahrt müssen zwingend die Paddel mitgenommen werden, falls der Aussenborder versagt.

d) Wie viele Personen können gleichzeitig aufs Dinghi?

e) Die Personen sollen sich so verteilen, dass das Dinghi möglichst flach auf dem Wasser liegt, wobei darauf zu achten ist, dass die schwereren Passagiere hinten sitzen!

f) Haben wir eine gute Leine um das Dinghi am Steg oder am Ufer festzumachen?

g) Wer von der Crew fährt das Dinghi und bedient den Motor? Nicht vergessen : Benzinhahnen öffnen, Lufteinlassventil am Tankdeckel öffnen, Joke nur bei kaltem Motor!

h) Ist das Dinghi dicht oder muss ein Ösfass zum Schöpfen mitgenommen werden?

 

3.Der Landgang mit dem Dingi:

     3.1. wo können wir mit dem Dinghi anlanden und wo kann man es dort festmachen?

Bild: Sailteam.ch Törn

Das Beste ist natürlich ein „Dinghisteg“, an welchem wir unser Dinghi festmachen können.

    3.2. Gibt es am Ufer starken Schwell oder brechende die Wellen? Das kann gefährlich sein – und das Anlanden verunmöglichen!

    3.3. Reicht es, die Hosen hochzukrempeln und Badeschuhe oder Stiefel zu tragen oder kommen wir gar trockenen Fusses vom Dinghi an Land?

    3.4. Müssen wir unsere mitgenommenen Sachen für die Überfahrt wasserdicht verpacken?  –  schon kleine Wellen können Spritzwasser verursachen!

    3.5. Sollten wir alle während der Dinghiüberfahrt die Rettungswesten tragen?

 

Bild: sailteam.ch:  Tobermory, Isle of Mull

in nördlichen Gewässern ist das Tragen einer Rettungsweste im Dinghi zwingend!

      3.6. Dinghiwatch: Müssen wir ein Auge auf unser Beiboot haben während wir an Land sind? Oft kann man einen lokalen Jugendlichen oder sonst jemanden für ein gutes Trinkgeld mit der       Bewachung unseres Dinghis beauftragen: den Preis aber vorher abmachen!

      3.7. Motor-Sicherungs-Kabel („Notstoppleine“) abnehmen und mitnehmen! Motor hochklappen und mit Marenschloss sichern!

     3.8. Müssen wir das Dinghi auf die Mole oder auf den Strand hochheben oder können wir das Dinghi, gut angebunden, auf dem Wasser lassen?  (Achtung bei Gezeitengewässern: genug hoch oben auf die Mole oder auf`s Ufer legen!)

Falls wir unser Dingi am Steg oder am Ufer festbinden: hat es irgendwo spitzige Steine, hervorstehende Metallteile oder sonstige Stellen, die unser Dinghi verletzen – oder im schlimmsten Fall – perforieren können?

     3.7. Zum Strand fahren: wichtig:  sobald wir ins flache Wasser kommen: Motor rechtzeitig hochklappen

     3.8.Gezeitengewässer: was ist zu erwarten, wenn das Wasser in den kommenden Stunden steigt, resp. sinkt? Länge der Festmacherleine entsprechend anpassen!

 4. Lokale Transporte:

Falls wir uns aus was für Gründen auch immer dazu entschliessen, auf die Dingifahrt zu verzichten:

Oft kann man einen Gehilfen der nahe gelegenen Kneipe oder eine sonstige Person im Hafen heranwinken. Für ein angepasstes Trinkgeld wird man gern von Bord abgeholt und wieder zurückgebracht. Oder wir rufen per Funk oder Telefon ein „Beach-Taxi“.

 

Nun wünschen wir allen Freizeitseglern einen schönen Landgang mit dem Dinghi – und eine gute Rückkehr aufs Schiff!

 Euer sailteam.ch                                                           Dan Sennhauser

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Tutorial für Newsletter Dezember 2019      

Thema: Ankern
Von: RYA Yachtmaster und Sailteam.ch Skipper Dan Sennhauser

                      Ankerbucht auf Cap Verden

Was gibt es Schöneres als vor Anker den Sonnenuntergang zu geniessen?

1. Planung des Ankermanövers

Wenn wir beschlossen haben in einer Bucht zu ankern, machen wir vorgängig folgende Überlegungen und informieren uns entsprechend den Törnführern und Hafenhandbüchern sowie allem was uns sonst noch zur Verfügung steht:

1. Ist die Bucht gut geschützt?
Wir ankern immer in einer Bucht, welche auf der Leeseite einer Insel, Küste, Landzunge, Hafenmauer oder was auch immer liegt.

2.  Wir informieren uns, ob es in dieser Bucht viel Schwell (Grundwellen) hat.

3.  Wir informieren uns, ob es in dieser Bucht viel Berufsverkehr (v.a. Fähren/Fischer) hat, welche in       der Regel viel Schwell verursachen und viel Platz zum Manövrieren brauchen.

4.  Wir wollen wissen, ob es in der Bucht gefährliche Untiefen oder Riffs hat.

5.  Wir informieren uns über die Platzverhältnisse in dieser Bucht (hat es genügend Platz zum                   Schwojen?)

6. Wir müssen wissen, ob in dieser Bucht evt. viele Mooringketten für Bojen, Fischerboote, Bojen           etc. auf Grund liegen.

7.  Wir müssen wissen, welcher Seegrund/Ankergrund uns erwartet (Sand? Schlick? Fels? Steine?            Seegras?)

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